Der Aufsatz gilt Leonhard Thurneyssers Archidoxa (1569/75) und Quinta essentia (1570/74) und versucht, an beiden Texten zu illustrieren, was ein spezifisch wissensgeschichtlicher Zugriff leisten kann.

Beide Texte, die in Versen verfasst sind, haben bisher in der Literaturwissenschaft, aber auch in der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte kaum Aufmerksamkeit erfahren. Ursache ist offensichtlich, dass diese Texte den Erwartungen an das, was ‚Literatur‘ ist, genauso wenig entsprechen, wie sie mit ihrer Verbindung von Astrologie und Alchemie für die Medizin- und Wissenschaftsgeschichte von Interesse schienen.

Der Beitrag widmet sich der Frage, unter welchen disziplinären und methodischen Voraussetzungen es möglich ist, diese beiden Dichtungen zu ‚verstehen‘. Indem er erkundet, welche sozial-, ideen- und literaturgeschichtlichen, welche medien- und kulturgeschichtlichen Kontexte rekonstruiert werden müssen, um die konkrete Form und die Inhalte dieser beiden Dichtungen verständlich zu machen, plädiert er für einen genuin wissensgeschichtlichen Zugriff.

Der Aufsatz ist erschienen im Band Nach der Kulturgeschichte. Perspektiven einer neuen Ideen- und Sozialgeschichte der deutschen Literatur, herausgegeben von Maximilian Benz und Gideon Stiening, und im Open Access verfügbar.